Crowdsourcing ist für Liebende
Crowdsourcing ist das nächste Thema bei Digitalks am 6. Mai, zu dem neben Thomas Fundneider auch ich als "Co-Speaker" eingeladen bin: Hoch lebe die Gastgeberin Meral Hecke! :-)) Eigentlich möchte ich für diesen Abend nur meine Hausaufgaben machen, und die, so meine ich, kann ich ja gleich öffentlich erledigen.
Crowdsourcing - ein Wortungeheuer eigentlich, wurde geprägt von Jeff Howe, einem der Macher des WIRED Magazins. Dieser gewagt sinnreiche Neologismus wird nur noch vom deutschsprachigen Wikipedia getoppt, wo es bravtreu mit "Schwarmauslagerung" übersetzt ist. (Outsourcing ist ja bekanntlich die Auslagerung einer Produktion oder Dienstleistung an einen firmen-externen Spezialisten.)
Crowdsourcing wendet sich an den Amateur
Aha, an den Amateur also. Wir denken an die lateinische Wortwurzel: "amare" heißt lieben, der "amator" ist der Liebende. Also der Nicht-Professionelle, und gelegentlich sogar der Dilettant. Nun, ganz so stimmt das nicht. Crowdsourcing, wenn es für die Forschung eingesetzt wird, wendet sich nämlich sehr wohl auch an professionelle Spezialisten - siehe z.B. Fellowforce (Science & Companies) oder InnoCentive Open Innovation (Science), wo auch die Rockefeller Foundation mit von der Partie ist. Doch in aller Regel wendet sich Crowdsourcing an den Amateur, an denjenigen, der ein bestimmtes Thema liebt, schätzt, als Hobby betreibt, als Inhalt seiner Freizeit sieht, als Inhalt seines privaten Lebens abseits des beruflichen Trottes.
Und das ist, glaube ich, wichtig zu verstehen. Crowdsourcing richtet sich an Amateure - die exzellent in ihrem Fach sein können - und als solche wollen sie verstanden und geschätzt werden.
Eine Community lässt sich nicht aufbauen oder errichten. Sie muss wachsen.
Crowdsourcing bedient sich einer möglichst großen und verstreuten Community, um sich deren Wissen, deren Innovationskraft, deren verschiedene Blickwinkel und deren Schwarmintelligenz für ein bestimmtes Thema nutzbar zu machen. Die berühmtesten Beispiele für Crowdsourcing sind Wikipedia (Wissen), Linux Software (InfoTech), Lego (Entertainment), Spreadshirt und Threadless (Marketing), Zazzle (Design), CrowdSpirit (Innovation), Marketocracy (Investment), Second Life (alles & nix). Dies demonstriert das Spektrum der möglichen Anwendungen recht eindrucksvoll.
Also. In welchem Umfeld gedeihen Communitys am besten?
- Stelle jene Tools bereit, die sich die Leute wünschen
- Lege die Regeln fest
- Vertraue, dass sie Gutes tun
- Belohne gute Beiträge
- Entferne schlechte Beiträge
- Erwarte das Unerwartete
Übrigens, Crowdsourcing als kostengünstigen Weg zum Wohlstand einzusetzen funktioniert (leider) nicht. Communitys müssen kultiviert, respektiert und gemanagt werden, wenn sie wirtschaftlichen Wert erschaffen sollen.
(^ g ^)


Meral / Digitalks (anonym) So, 4. Mai, 12:53