Alles Kunde!! ... Wie bitte??
Ich koche gerne - das beginnt nicht erst beim Einkauf, aber spätestens hier treffen zwei Welten aufeinander: der Konsument und der Lieferant.
Wer hat hier das Sagen?
Okay - ich gehe also einkaufen und bestelle "60 Deka von der Edelpute".
Moment mal: Bestellen in Dekagramm?
Mein Bedürfnis ist es, für drei Personen zu kochen und nicht zu wissen, in welcher Maßeinheit der Fleischer seine Produkte wiegt. Wo bleibt hier der Kunde?
(c) Sonderverein Deutsche Puten- und Perlhuhnzüchter
Das ist zugegebenermaßen ein provokantes Beispiel, welches in dieser Ausprägung wahrscheinlich nur mich ärgert! Oder andere auch ... ?
Wir haben gelernt, uns nach den Termini unserer Lieferanten zu orientieren und nicht umgekehrt ? obwohl alle unsere ?Lebenserleichterer? nur ?unser Bestes? wollen.
Logisch - unser Geld. ;-)
Leicht nachvollziehbar ist es in meiner Arbeitswelt, der IKT-Welt. Da wird von Megabits und Enterpriseressourceplanning gesprochen, von Asynchronedigitalsubscriberlines, getakteten Preisen und dergleichen mehr.
Doch was will der Kunde: Einen Song in einer halben Minute aus dem Netz saugen und damit Basta!
Klar. Es geht um die "Nichtvergleichbarkeit" bei den Preisen. Aber dann soll bitte niemand behaupten, seine Kunden stünden mit ihren Bedürfnissen im Mittelpunkt. In der Realität müssen Kunden zu Spezialisten werden, bevor deren Geld aus der Tasche gezogen wird.
Da ist es doch klar, dass das Vertrauen der Kunden hinsichtlich der versprochenen Leistungen und der damit einhergehenden Preise im Keller ist - oder?
Ich kann nachvollziehen, dass Lieferanten jeglicher Art - sozusagen "unsere persönlichen Lebenserleichterer" - vom Fleischer bis zum Installateur, nicht verglichen werden wollen. Aber ist es richtig, unsere Kunden zu Halbfachleute ausbilden zu lassen, damit sie in einer Welt überleben, heißt konsumieren, heißt Edelpute einkaufen können?

