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Wie koordinieren sich 2.700 hochkarätige Wissenschafter?

Am CERN, der Europäischen Organisation für Kernforschung bei Genf, bereiten gerade 2.700 Wissenschafter (!) aus 36 Ländern (so Der Spiegel, 27/08)  ihr größtes Experiment vor. Die Kernfrage, der das Heer der Physiker, Mathematiker und Ingenieure nachgeht, lautet: Was passierte vor 13,7 Milliarden Jahren? Also beim und unmittelbar nach dem Urknall?

Dieses aufwändige Megaexperiment soll die tiefsten Geheimnisse der Physik entschlüsseln. Die Entwicklung dieses Experiments begann bereits 1984, und mittlerweile haben die Techniker 80.000 Tonnen Material unter der Erde verbaut, plus rund 34.000 Tonnen Detektoren, denn die Teilchen sind so kurzlebig, dass sie nur anhand ihrer Spuren analysiert werden können. Hier sind ein paar Fotos verlinkt.

CMS+am+CERN+Januar2008
CERN inside: Detektor am LHC (Large Hadron Collider,
zu Deutsch "Großer Hadronen-Speicherring")

 

Kollektive Intelligenz oder Genie

Das Experiment selbst wurde "überall" im Netz schon ausführlich beschrieben. Spannend für mich ist hier: Wie gehen die Wissenschafter miteinander um? Welche Form des Wissensmanagements existiert? Wer ist das Genie - der Star - um den die restlichen Kollegen wie Planenten und Trabanten kreisen??

Die Soziologin und Wissenschaftsforscherin Karin Knorr-Cetina  durfte den CERN Wissenschaftern jahrelang über die Schulter blicken.

Frau Knorr-Cetina hat einen nüchternen -- aber doch ganz respektvollen -- Blick auf die Welt der Wissenschaft gewonnen. Ihr zufolge sind wissenschaftliche Entscheidungen und Wahlhandlungen (?Selektionen?) in erster Linie von Gelegenheiten gesteuert, nämlich der Verfügbarkeit von Geräten, von Karrierechancen, von zugesprochenen Projektgeldern etc. Dies entspricht nun so gar nicht dem Bild des Prüfens von Hypothesen, wie es in der klassischen Wissenschaftstheorie (etwa Karl Poppers) vertreten wird.

Das sind ein paar Impressionen Knorr-Cetinas aus CERN:

  • Die Zusammenarbeit am CERN kennt nur ganz wenig Hierarchien
  • Es gibt einen Sprecher, der alles koordinieren soll, doch er hat keinerlei Weisungsbefugnisse!
  • Kein Einzelner kann das Gesamte so richtig überblicken. Hier ist die astronomische Menge an Detailexpertise größer als dies ein Einzelner auf sich ziehen könnte.
  • Das Heer der Wissenschafter, die jeweils besten ihrer Disziplin aus der ganzen Welt, bezeichnen ihr "Labor", den Beschleunigerring, als einen "Superorganismus", der eine "Art eigene Intelligenz entwickelt" habe.
  • Das isolierte Genie, das im Elfenbeinturm intellektuelle Bravourstücke ausbrütet, gehört nicht in die Welt von CERN
  • Hier muss jeder kooperieren, wenn er etwas erreichen will
  • Wissen muss geteilt werden, alles am CERN ist Kommunikation
  • "Die Entmachtung des Individuums" - Jeder muss die Interessen des Kollektivs hochhalten und priorisieren
  • Verzicht auf die eigene Eitelkeit
  • Veröffentlicht wird grundsätzlich im Kollektiv! Auf der Autorenliste stehen alle 2.700 Namen: die Reihenfolge wird einzig und allein durch das Alphabet bestimmt!
  • Zu Konferenzen werden nicht einzelne Forscher eingeladen -- angekündigt wird nur das Experiment -- wer der Vortragende ist, bleibt nebensächlich.

Daher meine Hypothese: Je mehr hochqualifizierte Wissensarbeiter in an einem Projekt arbeiten, desto weniger Hierarchie ist vonnöten. Im Gegenteil, wahrscheinlich sogar hinderlich.

Übrigens: Am CERN wurde unter anderem auch 1989 die Idee des World Wide Web von Tim Berners-Lee geboren. Entscheidend für den Erfolg des WWW war u.a., dass Berners-Lee seine technischen Umsetzungen NICHT patentierte, sondern frei weitergab. Und die Maxime des World Wide Web Consortiums, nur patentfreie Standards zu verabschieden, ist ein großer Erfolgsfaktor des heutigen Web. Daher: Wissen teilen, bitte.

( °?°)


Der Kaufmann und die Magier

Einst, in einem fernen Lande, lebte ein Kaufmann. Er fertigte edles Tafelsilber und feines Geschmeide, in dem Smaragde in getriebenem Gold gefasst waren. Er verkaufte seine Waren an die großen Häuser in Orient und Okzident. Über viele Jahre war sein Unternehmen gediehen, und er war wohlhabend und rund geworden. Wenn er in schwer bewaffneten Kamel-Karawanen seine Güter exportierte, so eilte ihm das beste Renommee voraus, über Berge und Meere, durch Täler und Wüsten.

In jüngster Zeit jedoch waren Konkurrenten aufgetreten, die ähnliche Waren bedeutend preiswerter anboten und so dem ehrwürdigen Kaufmann Kunden abspenstig machten. Dieser hatte durch geschickte Rohmaterial-Einkäufe und durch gefinkelte Werksprozesse die Erstellungskosten gesenkt ? und sogar langjährige Mitarbeiter, Spezialisten ihrer Zunft, entlassen. Wirklich besser ging es ihm dadurch aber nicht.

Da kamen just drei Fremde recht, die sich geheimnisvoll als die ?Magier des intellektuellen Kapitals? vorstellten. Und also sprachen sie zu dem Kaufmann: ?Dein Geschäft geht schlecht, weil du den Wert deines Wissens nicht kennst. Zähle dein Wissen und du wirst deine Potenziale erkennen?. Der Kaufmann willigte ein, zumal die Fremden ihre Leistungen wohlfeil anboten. Die Magier des intellektuellen Kapitals ? dies deuchte wie eine aufkeimende, neue Religion ? führten den Kaufmann in die vertraulichen Formeln der Wissensmessung ein.

Wie der Kaufmann des Abends spät und müde in seinem Kontor sein Wissen zählte, da kam ein befreundeter Händler die hölzernen Stiegen herauf und fragte: ?Was werkst Du noch nächtens im Kontor?? Der Kaufmann erzählte seine Geschichte und erntete nur ein spöttisches Lächeln: ?Du bist wohl den Magiern auf den Leim gegangen! Haben sie dir nur heiße Luft oder gar ?des Kaisers neue Kleider? verkauft? Für solchen Tand opfere ich keine Zeit. Ich für meinen Teil will Zahlen sehen! Sprich: Wie viel mehr an Gewinn kann ich lukrieren, wenn ich mein Wissen messe?!? Der erste Kaufmann musste kleinlaut eingestehen, er habe auf diese Frage keine Antwort. Aber dennoch, so ahnte er, irgendwie im Bauch: Bewusste Nutzung, sorgsame Pflege und kluge Entwicklung von Kompetenz ist der Schlüssel zu langfristigem Erfolg.

Angeregt durch die mitgehörte Unterhaltung trat ein dritter Kaufmann ins Kontor. ?Ich?, so schilderte er unverblümt, ?war in ganz ähnlicher Situation wie du. Zuerst suchte ich mein Heil bei den berühmten schottischen Magiern McIrgendwie, die für ihren Geiz und ihre drastischen Sparprogramme berüchtigt sind. Geholfen hat mir dies wenig.

Dann habe ich auf meine Mitarbeiter gehört und sie mit wichtigen Kunden zusammengesetzt, um gemeinsam herauszufinden, woran mein Geschäft krankt. Schnell wurde klar, dass wir unser Wissen nicht genügend teilen und meine Mitarbeiter nur wenig motiviert sind, ihr Bestes für die Kunden zu geben. Ich habe daher den Mitarbeitern mehr Freiraum für eigene Initiativen gegeben. Alle Mitarbeiter sind am Geschäftserfolg beteiligt, und sie tauschen ihre Kenntnisse aus. Auch mit anderen Unternehmern treffe ich mich regelmäßig, um voneinander zu lernen.

Die Leitidee unseres Unternehmens lautet: SELBST BEAUFTRAGEN, SELBST ORGANISIEREN, SELBST MOTIVIEREN, SELBST KONTROLLIEREN. [1]

Unser Wissen haben wir noch nicht in magische Formeln gefasst, aber mir ist es gelungen, unsere Kompetenzen so gut zu nutzen und fortzuentwickeln, dass wir die Konkurrenz nicht fürchten müssen.

Wir handeln nach der Devise:

Wer nur kann, was alle schon können ?
und nur weiss, was alle schon wissen,
kann auch nur tun, was bereits alle können.
Wettbewerbserfolg, setzt immer den Willen,
die Kraft und die Fähigkeit voraus,
anderen mit eigenständigen Wissensfortschritten
und Problemlösungen voranzugehen?. [2]

Dieter+Schwertberger+www.dees.at

(c) De Es Schwertberger

Obschon sich diese Mär vor langer Zeit zugetragen hat, möchten wir nicht ausschließen, dass wir auch heute daraus lernen könnten. Denjenigen, die mehr über die magischen Formeln der Wissensmessung lernen möchten, empfehle ich den Arbeitskreis Wissensbilanz. Praktische Beispiele der Umsetzung von Wissensmanagement finden Unternehmer von heute unter Wissensmanagement in der Praxis. Jene Unternehmen, die schon so weit wie der dritte Kaufmann sind, sollten sich für den Preis ?Wissensmanager des Jahres? bewerben.

  

[1] Dies ist die Leitidee der Firma Koziol
[2] nach Prof. Hubert Markl, ehem. Präsident der Max-Planck-Gesellschaft

Quelle: Prof. Dr. Klaus North. Diese Geschichte erzählte Klaus North am 20.09.2004 in Berlin anlässlich der Tagung "Wissensbilanz des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit".

( ^ ; ^ )


Technik ist nicht einmal die halbe Miete

"Technologie ist nicht einmal die halbe Miete", sagt Rupert Petschina - Leiter Consulting Business Solutions bei uns im Haus.

Doch wie lässt sich Produktivität wirklich steigern?

DI Rupert Petschina, Consulting Business Solutions
DI Rupert Petschina, Consulting Business Solutions

  • Durch Cost Cutting die Erträge steigern?
  • Durch Verbesserung des Kundenservice?
  • Durch Steigerung der internen Kommunikationsqualität?
  • Durch bessere Nutzung des Erfahrungswissens oder
  • Durch Vermeidung von Fehlern?

Eine Produktivitätssteigerung von 15 bis 20 Prozent sei durchaus möglich, sagt Petschina, denn die Potentiale, die sich durch angewandtes Wissensmanagement ergeben, lassen sich konkret in Euro bewerten und ausdrücken. Das ergibt dann eine wichtige Grundlage für Investionsentscheidungen.

Podcast =>

Erhören Sie die ganze Miete! ;-)

c( ~>~ )


Wikis & Blogs gratis im Netz!

Diese Titelzeile erinnert mich an die "guten alten Zeiten", als marktschreierische  Werbung noch irgendwie funktionierte. Und dabei sind Gratisangebote bei Wikis und Blogs wirklich nix Neues!

Doch auf Netcipia finden sich an einem Ort sowohl Wiki- als auch Blog-Funktionalitäten gehostet im Netz, man muss nichts downloaden. Fünf bis zehn Minuten sollten Sie sich schon Zeit nehmen, aber länger braucht man nicht, um auf Netcipia seinen Wiki-Blog-Place einzurichten.

netcipia logo

Ein "Netcipia Place" kann in mehrere Räume geteilt werden mit jeweils anderem Inhalt und anderen Zugangsdaten und Rechtevergaben. Jeder Wiki-Blog-Place kann öffentlich oder auch nur privat zugänglich gemacht werden, und jede Menge User können eingeladen werden - der kostenlose Spass endet erst jenseits von zwei Gigabyte Datenvolumen. Dann greift man entweder zum Börsel oder eröffnet ... einen neuen Place. Denn auch diese dürfen unbegrenzt angelegt werden.

Die lieben Features
Was kann Netcipia? Es ist ein werbungsfreier Raum, dennoch können Google AdSense Schaltungen eingebettet werden, und die Umsätze daraus darf man für sich behalten. Der Editor funktioniert WYSIWYG, es gibt Verständigungsmöglichkeiten per E-Mail und per RSS Feeds (aber kein ATOM!), SPAM Schutz, eine Suche im Place, die Möglichkeit Attachments hochzuladen (Limit: 10 MB) und es können Tags vergeben werden. Dies sind nur die vielleicht wichtigsten Features - ach ja: auch ein Fotoalbum lässt sich anlegen - und wer es genau wissen will, kann Netcipia auf WikiMatrix.org mit zirka hundert anderen Wikis direkt vergleichen.

XWiki Logo

XWIKI
All diese schönen Features hat Netcipia von XWiki mehr oder weniger "geerbt", ein in Java entwickeltes Open Source Produkt. XWiki bezeichnet sich als ein Wiki der zweiten Generation, denn es kann nicht nur an den Inhalten zusammengearbeitet werden (wie bei einem Wiki der ersten Generation), sondern es können auch kleine Webapplikationen (APIs) eingebettet werden. Zum Beispiel:

  • Mashups. Hierbei kann alles Mögliche kombiniert werden, z.B. Google Maps mit Delicious oder mit Flickr oder mit Google Base oder mit Google Calendar ...
  • Kollaboratives Bearbeiten von Dokumenten zur gleichen Zeit
  • Form-basierte Anwendungen um Item-Sammlungen anlegen zu können
  • Abstimmungen oder Umfragen können durchgeführt werden, etc.

(^ , ^)


Wissenscontrolling in lernenden Organisationen (III. Teil)

Letzter Teil der Staffel zu "Wissenscontrolling"! Im Teil II. hieß es: Das traditionelle Controllinginstrumentarium hat sich im Zuge der industriellen Organisation entwickelt. Für wissensintensive Organisationen bietet es heute keine ausreichende Grundlage mehr bei der Entscheidungsfindung.

Balanced Scorecard

Nur einem von zehn Unternehmen gelingt es, seine Strategie auszuführen
In der Balanced Scorecard (zu Deutsch etwa: "Ausgewogenes Kennzahlensystem") steht die Vision und die Strategie eines Unternehmens im Zentrum. Bereits 1999 hat Robert S. Kaplan, der die Balanced Scorecard mitentwickelt hat, die Barrieren einer erfolgreichen strategischen Unternehmensführung isoliert:

  • Kommunikationsbarriere: Nur 5% der Arbeiter und Angestellten ("work force") verstehen die Strategie
  • Performance-Barriere: Nur 25% aller Manager haben Incentives an die Strategie gebunden
  • Ressourcen-Barriere: Nur 40% aller Unternehmen verbinden ihre Budgets mit der eigenen Strategie
  • Lern-Barriere: 85% des Top Managements verbringen weniger als eine Stunde pro Monat damit, die Strategie zu diskutieren.

Überträgt man die Ergebnisse dieser Umfrage auf den Fußball, so könnte man sagen: Nur zwei Spieler wissen, wo das eigene und das gegnerische Tor ist, nur einer interessiert sich überhaupt dafür, und nur eine halbe Stunde pro Monat wird darüber gemeinsam gesprochen. Was sagt das uns?

Wenn wir nun Wissen messen und bewerten, erkennen wir den Zusammenhang von Wissen und Strategie sowie die Verbindung von Mitarbeiter und Organisation. Zudem beginnen wir, strategisch zu denken und zu lernen. Wir beginnen zu unterscheiden zwischen Wichtigem (Wertvollem) und Unwichtigem, und wir stellen einen Zusammenhang zwischen Wissen und Wertschöpfung her. Wir bemerken die Grenzen der finanziellen Kennzahlen.

Zwei Probleme der Wissensbewertung

"Geschlossene Türen" aufgrund fehlenden Wissens bedeuten nicht notwendigerweise "Offene Türen", sobald wir im Besitz solchen Wissens sind. Denn auch die Rücklagen, die "Kriegskasse" oder das Umfeld müssen passen etc.

Und zweitens überschreitet der Wissens-Zeithorizont oft den Planungshorizont der Unternehmen. Anders gesagt, bis ein spezifischer Wissenskörper aufgebaut ist, ist der Markt oder das Unternehmen selbst an diesem Lösungsszenario schon nicht mehr interessiert. Ein gutes Management stellt sich die Frage: Wie lange soll es uns geben? Wie nachhaltig planen wir voraus, oder bereiten wir im Grunde nur den Verkauf der Firma zu einem günstigen Zeitpunkt vor?

Doch wie schon gesagt: Der Aktienmarkt bewertet heute im Wesentlichen immaterielles (nicht-technologisches) Vermögen (z.B. Kundenbeziehungen). Die logische Fortsetzung einer wertorientierten Unternehmensführung liegt daher in der Bewertung von immateriellem Vermögen, und damit insbesondere von Wissen in Verbindung zur Strategie!

( * ; * )


Wissenscontrolling in lernenden Organisationen (II. Teil)

Ich seh' gerade fern. Und muss Sie ausdrücklich warnen: Sie lesen jetzt ein ausgesprochen todlangweiliges Blogposting! Sozusagen das volle Kontrastprogramm. Im Kontrast zu den witzigen Kabarettprogrammen auf nahezu allen TV-Kanälen, die in diesem champagnerperlenden Jahreswechsel-Zeitalter besonders geistreich grassieren. Aber hier, bei mir, ist es nicht lustig. Hier geht es um Gesamtwirtschaft, die österreichische, um Industriegesellschaft versus Wissensgesellschaft, und um deren Zukunft. Ganz ernsthaft & wahrhaftig - und todlangweilig?? Überzeugen Sie sich selbst:

Die Industriegesellschaft wird zur Wissensgesellschaft
Im I. Teil zu "Wissenscontrolling" haben wir behauptet, dass Controlling, das ausschließlich an harten Zahlen wie Umsatz, Vermögen, Anlagen etc. ausgerichtet ist, zu kurz greift. Die immateriellen Vermögenswerte eines Unternehmens, die entscheidend zum Marktwert beitragen, bleiben oft unberücksichtigt.

Finanzbilanzen sind immer weniger imstande jene Werte abzubilden, die für die Zukunft entscheidend sind. Die wachsende Bedeutung immaterieller Vermögenswerte wie Humankapital, Forschung & Entwicklung, Organisationskultur, Markenwert etc. erhält keine Aufmerksamkeit. Die Frage: "Werden die aus der Unternehmensstrategie abgeleiteten Ziele erreicht?" bleibt nahezu unbeantwortet.

Gemessen - und somit das Unternehmen gesteuert - wird anhand quantitativer, absoluter und statischer Maßstäbe. Das Wichtige, das immaterielle Vermögen, das Wissen & Lernen sowie die Strategiebewertung bleiben hierbei unbeachtet.

Mangelhaftes Reporting über immaterielle Werte führt schließlich zu unausgewogenen Informationsbildern und ineffizienten Kapitalmärkten. Wissensintensive Unternehmen können vom (Aktien-)Markt nicht hinreichend genau bewertet werden.

Wissenscontrolling - im Gegensatz zu Finanzcontrolling - erfordert Zielorientierung anstelle von Zahlenorientierung. Wissenscontrolling konzentriert sich auf die Optimierung organisatorischer Rahmenbedingungen. Wissenscontrolling basiert auf einem gemeinsamen Festlegen der Ziele zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter und forciert eine regelmäßige Wissensbewertung mit dem Ziel, zu lernen. Wissenscontrolling beurteilt Managementqualität anhand von Fähigkeit und Leistung und fördert durch gezielte Kommunikation organisatorische Lernprozesse.

* * *

Gleich im nächsten Jahr, im III. Teil, lesen Sie, was Fußball (!) mit strategischer Unternehmensführung gemein hat. Tragisch, ausgesprochen "tragisch", dieser Zusammenhang ... trotzdem:

  EIN GUTES NEUES! PROSIT! 

(Diese Ansichten sind aufgrund einer Vorlesung von Prof. Dr. Stefan Güldenberg entstanden, die er kürzlich an der Donau Univ. Krems, Lehrgang Wissensmanagement, gehalten hat.)

(° _u °)


Wissenscontrolling in lernenden Organisationen (I. Teil)

Darf ich vorstellen: Stefan Güldenberg, Mathematiker. Stammt aus Baden Württemberg und ist irgendwo zwischen 35 und 40 Jahren jung. Bis vor kurzem noch Professor für Unternehmensführung an der WU Wien, heute mit einer Professur für Internationales Management in Liechtenstein. Eines seiner Kernthemen: Wissenscontrolling in lernenden Organisationen. Herr Güldenberg ist ein hoch gewachsener, hagerer Gelehrter mit hellen Augen und einer Nase, die spielend die von ihm so überaus geschätzte Gebirgsluft herzhaft einziehen kann. -- Halt! Stop! -- Nur soviel sei gesagt zur "Persönlichkeits-Bilanz" anhand von Hardfacts.

Doch wie die persönlichen Softfacts (oder "Intangibles") bilanzieren?
Auffallend: eine überaus durchkultivierte Intelligenz. Keine Spur von Eitelkeit, eine ebenso gekonnte wie echte Anteilnahme an uns Studenten, dabei kein Hauch von aufgesetzter oder gesuchter Höflichkeit. Alle Gedankengänge wirken wie organisch gewachsen, ein Güldenberg?sches Biotop. (Es bleibt erstaunlich, wie viel zu einer Disziplin man wissen kann.) Eine stete, elastische Wachsamkeit, die immer gleich intensiv erscheint, die den ganzen Tag über keine Schwankungen kennt. Schmucklos im Gestus wie in der Rede, ein konstant sich entwickelnder Gedankenfluss, der aus seinem Munde fließt, präzise aber nicht scharfkantig formuliert, flüssig aber nicht geschmeidig oder gar elegant. Das Tempo seiner Ausführungen ist über Stunden hinweg konstant, nicht rasch, nicht schleppend. Ich sage nicht: Güldenberg bemüht eine mittlere Geschwindigkeit, sondern eine dem Thema angemessene. Pausen gliedern die Rede in gedankliche Absätze, warten einladend kurz ab, ob Fragen oder Kommentare aufkommen. Es ist glasklar, der mag seinen Beruf und sein Wissen sehr, und ist ein zugänglicher, offener Philanthrop.

Also "andante vivace ma non tropo", das könnte die musikalische Vortragsanweisung sein, würde man eine Güldenberg-Vorlesung vertonen wollen - eine Fuge in einer Dur-Tonart sicherlich, keinesfalls in Moll.

 * * *

Wenn Sie mir nun weiter folgen möchten: Den harten Fakten zur Personenbeschreibung Stefan Güldenbergs wurden oben weit weniger Raum gewährt als den so genannten immateriellen Werten, den Soft Skills. Denn diese sind eindeutig wichtiger!!

Und jetzt kommt's: Die Betonung immaterieller Werte steht ganz im Gegensatz zum traditionellen Controlling von Unternehmen, das sich ausschließlich an "harten" Umsatzzahlen orientiert, an fixen Vermögenswerten, am Wert des Fuhrparks oder der Industrieanlagen der Company, etc.

"Intangibles" sind immaterielle Vermögenswerte
Dazu zählen der Wert der Marke (Brand Capital), Rechte wie Patente und Lizenzen, Kundenbeziehungen, Lieferantenbeziehungen, Innovation Capital (insbesondere Forschung & Entwicklung), Know-how (Wissen), Unternehmenskultur, Mitarbeiterqualifikationen und, last but not least: Reputation! Diese für die Innovationsfähigkeit und somit Zukunft eines Unternehmens so entscheidenden Vermögenswerte bleiben im herkömmlichen Controlling weitgehend unberücksichtigt.

Doch Aktienmärkte spiegeln im Wesentlichen das immaterielle (nicht-technologische) Vermögen von Unternehmen. Dieser Umstand sollte jetzt jeden Vorstand nervös machen ... denn die logische Fortsetzung einer nachhaltigen, wertorientierten Unternehmensführung liegt in der Bewertung (!) der immateriellen Vermögenswerte - und damit insbesondere von Wissen!

Apropos 'Fortsetzung': Mehr zum Thema "Wissenscontrolling in lernenden Organisationen" und zu "Industriegesellschaft wird zur Wissensgesellschaft" gibt's wahrscheinlich am kommenden Sonntag, also noch dieses Jahr. Bis dann!

( ~.~ )


Trends im Wissensmanagement. 2007 bis 2011

Der BITKOM, der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. in Berlin, hat ein realistisches Positionspapier zu Wissensmanagement herausgegeben.

Dieser Verband ist ein Schwergewicht ? und leider existiert keine entsprechende Vereinigung in Österreich. BITKOM vertritt in Deutschland über tausend Unternehmen, davon 850 Direktmitglieder (Gerätehersteller, Anbieter von Software, IT- und TK-Dienstleister sowie Content Provider), die zusammen mit rund 700.000 Beschäftigten zirka 135 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften. Der BITKOM gibt Studien in Auftrag und betreibt Lobbying für bessere rechtliche Rahmenbedingungen, eine Modernisierung des Bildungssystems und eine innovationsorientierte Wirtschaftspolitik.

BITKOM

Ende November, anlässlich der KnowTech in Frankfurt/Main, gab der Interessensverband zehn Trendprognosen bis 2011 heraus. Ganz im Zeichen von Schwarmintelligenz arbeiteten an dem Papier immerhin 20 Herren, und denkwürdigerweise nur eine einzige Dame ! ? rekrutiert aus den Bereichen Universität, Unternehmen und Beratung.

Die Trends:

  • Transformation zum Unternehmen 2.0
  • Innovationsmanagement wird zur Standortfrage
  • Wissensmanagement unterstützt Antworten auf die Herausforderungen des demografischen Wandels
  • Wissensmanagement bringt Green Computing voran
  • Wissensmanagement leistet zunehmenden Beitrag zur Lösung globaler Probleme
  • Aktuell einsetzende Integration von Echtzeitkommunikation, Telefonie und Kollaboration wird Wissensarbeitsplätze nachhaltig verbessern
  • Service-orientierte Architekturen geben dem Wandel zur vorgangs- und aufgabenorientierten Arbeitsweise bei Wissensarbeit starke Impulse
  • Neue Suchtechniken erobern die Unternehmen
  • Lebenslanges Lernen findet zunehmend dezentral in sozialen Netzen und selbstorganisiert statt
  • Orientierungsrahmen für Wissensmanagement-Projekte erhöhen deren Zielorientierung und erleichtern ihren Erfolg.

Den für mich persönlich relevantesten Trend fasse ich hier kommentierend zusammen:

Transformation zum Unternehmen 2.0
Unternehmen, die Wikis, Blogs, Social Bookmarking, Social Netzworks oder Podcasts einsetzen, scheinen flexibler und innovativer zu sein, da ihr Informationsmanagement schneller agiert. Die Transformation zum Unternehmen 2.0 wird besonders bottom-up von Mitarbeitern vorangetrieben, die privat praktisches Know how mit Web 2.0 Lösungen erworben haben. Für diese Mitarbeiter ist eine offene, partizipative Unternehmenskultur sehr wichtig! Sie bewirken einen "Kulturwandel von unten", der ihre Motivation stärkt. Dies spielt auch zunehmend eine entscheidende Rolle bei der Auswahl eines Arbeitgebers.

Die Wissensarbeiter von morgen können in einer am Arbeitsprozess orientierten Weise auf gewünschte Daten und Informationen zugreifen. In der Regel müssen sie nicht mehr Daten aus verschiedensten Anwendungen selbst integrieren. Mit Mash-ups oder Content Aggregatoren kann eine leichtgewichtige (wenige Kilobytes) Integration von Anwendungen erfolgen, wobei sie miteinander funktional mittels Wiring (z.B. "Pipes" bei Yahoo) verdrahtet werden.

Technische Neuerungen wie AJAX, REST oder dojo erweitern die Möglichkeiten von webbasierten Unternehmensanwendungen enorm. In Verbindung mit serviceorientierten Architekturen (SOA), und auf der Basis von offenen Standards bieten sie neue Möglichkeiten für Prozesse und IT-gestützte Arbeitsplätze von Wissensarbeitern.

Seitens der zentralen IT-Funktionen werden die neuen virtuellen Anwendungen nur noch auf gröbere Rollenvorgaben zugeschnitten - die Feinarbeit kann von den Wissensarbeitern selbst übernommen werden. Dadurch entstehen "Ökosysteme von Services", die sich gegenseitig im Wert für die Prozesse des Unternehmens ergänzen. Trägersysteme für solche Mash-ups sind zentrale Portale, lokale, aber zentral gesteuerte Rich Clients oder spezielle Server.

(* : *)


Den Zufall ausrotten. Ist das sinnvoll? (II.)

Der quasi vortrags-stilistische Antipode zu Anja Flicker (siehe Denkbloggade Posting von heute) könnte der Portfolio Worker Helmut F. Karner sein. Sein Vortrag am Lehrgang Wissensmanagement rekrutierte sich aus einem Fundus von weit mehr als hundert Powerpointfolien, aus denen einige, je nach Interesse und Diskussionsentwicklung, herausgepickt wurden. Hier ging man nicht mikroverplant Schritt für Schritt vor, sondern in einem weiten, gedanklichen Bogen, der sich über einzelne Erzählspiralen gedreht spannte. Aus zueinander gefügten, offenen Räumen entwickelte sich ein Universum.

Machen wir es ähnlich, und stellen einen Teil des Karner'schen Thesen-Universums in Gulaschbrocken serviert vor:

  • Being in Corporate Life, besonders in Großunternehmen, widerspricht der menschlichen Natur
  • Wir wirtschaften anachronistisch: Alle gängigen Management-Paradigmen sind über hundert Jahre alt (Gary Hamel: The Future of Management)
  • Hierarchisch-funktional organisiert sein ist anachronistisch
  • Nur 28 Prozent aller Information ist als dokumentierte Information verfügbar (explizit) -- 72 Prozent sind "tacit" (implizit, also an einen Wissensträger gebunden, nicht dokumentiert oder nicht dokumentierbar)
  • Wissen ist instabil, d.h. es hat eine geringe Halbwertszeit. Daher sind Systeme instabil. Folglich gilt als Planungsparadigma Try & Error!
  • Selbstorganisation ist ebenso Paradigma
  • Komplexe Systeme in der Natur sind nicht steuerbar - analog dazu: bis in der Wirtschaft eine Regulierung schließlich greift, ist bereits ein Workaround geschaffen worden und die Situation eine neue
  • So sind SAP-Prozesse für ein Dauer von 12 bis 15 Jahren angelegt. Aber Prozesse verlieren nach 2 bis 3 Jahren ihre Gültigkeit! Daher ist die IT oft ein Verhinderer ...
  • Nobody can do it alone - daher ganze Gruppen bewerten, nicht Einzelne
  • Es geht nicht um Wissenstransfer, sondern um Wissensinduktion: Wissen, das schlummert, soll aktiviert werden
  • Und übrigens: Wissensmanagement als Beratungsmarkt ist in Österreich tot.

Als Best Practice empfiehlt Helmut Karner Story Telling, Yellow Pages, Knowledge Mapping (anhand regelrechter Wissenslandkarten), Wissen als "Flow", nicht als "Stock" behandeln sowie "Relevanz, nicht Vollständigkeit" anstreben.

Ich wäre ein Masochist, würde ich mir hier verkneifen, Wiki oder Folksonomie hinzuzufügen ...

Konnte ich Ihnen jetzt die Frage "Den Zufall ausrotten. Ist das sinnvoll?" irgendwie implizit beantworten?

c(^_>^)


Den Zufall ausrotten. Ist das sinnvoll? (I.)

Manche Vorlesungen an der Donau Uni Krems, Lehrgang Wissensmanagement, die sind kristallklar systematisch strukturiert. Die Staffel der wie bei einem Parkettboden fugengenau komponierten Powerpointfolien knirscht zahnrädchenhaft organisiert vorwärts, unbeirrt zum zu Beginn postulierten Lernziel. Das hat was, Leute! Zum Guru dieser akademisch-militärischen Operationen möchte ich die insgesamt wunderbare Anja Flicker erheben. Ihr Dienstgeber, die reinisch AG, verfasst Gebrauchsanweisungen und Bedienungsanleitungen für Maschinen und komplexe Systeme. Klar, das hier nichts dem Zufall überlassen sein darf!

Für Frau Flicker ist Wissensmanagement nicht das Management des Produktionsfaktors Wissen selbst, sondern das Management der Organisation im Hinblick auf Wissen. Hier wird Wissensmanagement zu einer integrativen Disziplin, die Qualitäts- und Prozessmanagement, Intellectual Capital Management, Personal- und Organisationsentwicklung - und vor allem Mitarbeiter - vernetzt. (Man spürt gleich: das habe ich jetzt mal fast Eins zu Eins den Folien entnommen.) Frau Flicker gelingt es als gründlicher Wissenslogistikerin, mental lückenlos die Strategie ins operative Geschäft zu überführen. Ihr Hauptberuf ist, einen Wissenstransfer zur Streuung, Entwicklung und Sicherung von Wissen und der Qualifizierung der Mitarbeiter zu generieren. Hut ab, bitte!

In Österreich spricht man in diesem Zusammenhang gerne von deutsch-gründlicher Qualitätsarbeit in der klassischen Form und schmunzelt. Im Selbstbild erachten wir uns doch, mit gewissem Stolz, als zart schlampert und auch stark flexibel, um mit diesen Eigenschaften gerüstet dennoch zum gleichen Ziel zu gelangen. Nun, ich bezweifle das. Der gebackene Wissensgugelhupf, der hier dampfend aus dem Ofen gezogen wird, schmeckt wohl anders. Weniger innovativ gewürzt, mehr nach Hausmannskost auf Großmutters Art. Was ist Ihnen lieber oder nützlicher?

Jedenfalls haben wir extrem starke weil präzise Werkzeuge kennengelernt: Ein Unternehmens-Wiki (Atlassian Confluence), eine Systematik zum Wissenstransfer bei Eintritt bzw. Austritt von Mitarbeitern (Methodik nach Cogneon), Entwicklung des Intellektuellen Kapitals (inklusive Report). Danke für den Wissenstransfer, Anja Flicker!

"Den Zufall ausrotten. Ist das sinnvoll?"  Die Beantwortung bin ich noch schuldig geblieben. Vielleicht schaffe ich das im nächsten Posting? Fast versprochen ...  ;-)


Ist Ihr Unternehmen intelligent?

Mit Auskunftsfähigkeit, Erinnerungsvermögen und Problemlösungsfähigkeit sind rasch drei wichtige Merkmale organisationaler Intelligenz aufgezählt. Eine grundlegende Definition könnte - in Anlehnung an die Merkmale individueller Intelligenz - lauten:

"Die Fähigkeit eines Unternehmens, Probleme zu lösen unter optimaler Ausnutzung von Ressourcen in möglichst kurzer Zeit."

 Und damit soll hier schon genug theoretisiert sein.

Wissensmanagement

Auf einer herrlich altmodisch belassenen Website der hessischen Wirtschaft des Landkreises Lahn-Dill hat Prof. Klaus North seinen "Intelligenztest für Organisationen" veröffentlicht. Nicht nur das -- die Website ist insgesamt eine voll gepackte, praktische Werkzeugkiste zum Wissensmanagement.

Der Intelligenztest selbst ist im Grunde eine clever strukturierte Matrix aus Fragen zu Kunden, Produkten, Prozessen, Mitarbeitern, Märkten usw. Sie können natürlich in reiner Selbsteinschätzung antworten und zu einem aufschlussreichen Ergebnis gelangen; liegen jedoch Benchmarking-Studien vor, so kann die persönliche Sicht einer unabhängigeren von außen gegenübergestellt werden. Also viel Vergnügen beim noch intelligenter werden!


Web 2.0 und Demokratie

Wir wollen hier nicht auf gewisse Sonderfälle des Web 2.0 in einigen entfernt gelegen Staaten eingehen, in denen Blogserver gesperrt, deren Betreiber in Verwahrsam genommen werden (um im sprachlichen Schreibtischstil dieser Kreise zu bleiben) und Suchmaschinen kritisch-sensible Begriffe - wie z.B. "Petition" - als nicht vorhanden ausfiltern. Denn sozial-politische Web- und Blogserver einfach abschalten, das ist vergleichbar mit dem mittelalterlichen Verbrennen von Büchern und Schriften. Nein, wir sprechen hier vom Normalfall.

Erdscheibe

Blick über den Tellerrand

Wird die demokratische Entwicklung durch Web 2.0 Anwendungen, insbesondere durch Wikis, Newsforen und Blogs, gefördert? Ist es nicht so, dass im Web 2.0 jeder mit jedem kommunizieren kann? Und jeder kann nicht nur lesen, sondern auch selbst posten, publizieren, kommentieren? Entspricht das nicht faktisch einer Übernahme der Produktionsmittel durch die ehedem Besitzlosen? Wenn also jeder seine Stimme hörbar machen kann, ist das nicht das Schlaraffenland der Demokratie?

In engerem Sinne betrachtet: Nein.

Diese Ideen darf das Traummännlein ruhig wieder mitnehmen. Demokratie hat ja in der Praxis in erster Linie damit zu tun, dass die Menge im Rahmen von Wahlen Entscheidungen herbeiführen kann. Die Menge kann im Vertrauen auf ihre ins Parlament entsandten Delegierten die Geschicke des Landes mitbestimmen. Sie hat eine teilweise, nicht sehr weit reichende Möglichkeit, politische Tendenzen mittelfristig festzulegen. Die Menge delegiert die (im Prinzip unerquickliche) Arbeit der Staatsverwaltung an eben die Delegierten und unterzeichnet allenfalls noch einmal im Jahr eine Petition gegen krasse Fehlentwicklungen oder Missbräuche. Und wie wir dieser Tage vor Augen geführt bekommen, auch anhand von demokratisch legitimierten Streiks lassen sich bestimmte Entscheidungen herbeiführen.

Über Web 2.0 Applikationen kann nichts entschieden oder mitbestimmt werden. Sie entsenden auch keine Delegierten. Es kann nur besser kommuniziert werden. Hier könnte man anknüpfen und ins Treffen führen: Auch Bücher oder Telefone hätten unterstützend zu besseren Demokratieformen beigetragen. Im Sinne von "Entscheidungen treffen" sicher nicht, lediglich sind mehr Menschen besser ? eigentlich schneller ? informiert (bzw. desinformiert). Und insofern darf hier das Traummännlein sein Füßchen doch in der Türe stehen lassen: Wer besser informiert ist, der kann leichter demokratisch mitentscheiden.

Wie geht?s weiter

Im Jahr 2010 soll sich die weltweite Informationsmasse versechsfacht haben. Behauptet IDC, und macht sich Sorgen über die Kapazität von Speicherplatten ? Doch tatsächlich sind dann die Wissensmanager gefordert. Wie können wir aus all den Infofluten das herausfischen, was für uns ? für mich ? relevant ist? Darüber später, in einem neuen Posting.

(".>")


Was ist Social Bookmarking? Einfacher geht's kaum

Manche glauben: Wenn ein Sachverhalt so richtig komplex dargestellt ist, dann erst kann er wahr sein. Lesen Sie einmal das Buch "Systemtheorie II: Interventionstheorie" des Soziologen Helmut Willke, dann wissen Sie was ich meine. Mag sein, dass Prof. Willke recht hat. Doch "die universelle Unendlichkeit der eng verwobenen Vielfalt weltlicher Erscheinungen und gegenseitiger Bedingungen" verringert sich in der Praxis rasch, wenn man herausfiltert, was WIRKLICH WICHTIG ist - und was nicht.

Ein Beispiel: Das Video 'Social Bookmarking in Plain English'. Hier wird gezeigt, was Soziale Lesezeichen können.  Ein ähnlich schönes Video ist: Was ist Wiki? Eine Fünf-Sterne-Erklärung

Hier sehen Sie "Social Bookmarking" mit deutschen Untertiteln.

Social Bookmarking in Plain English

Yeahhhhh!!  Besser als jede Master Thesis!! Viel Spaß!!!

(q _ p)


Was ist Wiki? - Eine Fünf-Sterne-Erklärung

Kürzlich begann an der Donau Universität Krems der Lehrgang für Wissensmanagement No 6.  Ich durfte (mit Unterstützung meiner lieben Firma) dabei sein, und sehr schön war's!! Wir sind in der Klasse nur 7 Leute - 2 Deutsche und 5 Austriaken -  alle mehr oder weniger aus verschiedenen Branchen, und nach der ersten Woche sieht es ganz so aus, als würden wir wie Pech & Schwefel zusammenhalten. Ja schön war's, sehr inspirierend, ein wahrer Informationsmarathon im Kopf, ausgezeichnete Vortragende mit ausgezeichneten Lehrinhalten. Viel diskutiert wurde ... viiiieeelll diskutiert!!

Buuuuhhh!!
 Gruppenkoordination per Mail ist megaout! Aber Wiki ist in.

Wikis in Plain English

Wikis in Plain English
und hier dasselbe Video mit deutschen Untertiteln.

Der Lehrgangsteilnehmer Maxim zum Beispiel ist ein echter Scout des Internets. Er hat für uns gleich ein ganzes Studiums-Wiki eingerichtet: auf Basis von Socialtext. Darin stellt er uns das obige Video vor: "Wikis in Plain English" - danke Maxim!

c(^ö^)


Was bedeutet schon "Wissen"?

Was ist Wissen? Dazu gibt es wohl keine unstrittige Definition - und Werner Schachner sagt:

 "Wissen ist entscheidungs- und handlungsrelevante Information".

Wissensmanagement sei demzufolge das

  • zugänglich und nutzbar machen von entscheidungs- und handlungsrelevanter Information sowie
  • das Schaffen einer Umgebung, in der sich Wissen weiter entwickeln kann. Denn Wissen ist ein laufender Prozess.

Hören Sie nun ein weiteres Interview zu Wissensmanagement, dieses Mal mit Werner Schachner.

Podcast =>

Das erste Interview - mit Prof. Kerstin Fink, Universität Innsbruck - hören Sie hier.

Das zweite mit Andreas Blumauer, Semantic Web Company, hier.

 

Dr. Werner Schachner, SUCCON

Dr. Werner Schachner, Geschäftsführer der Succon,
ein Spin-off des Know-Center der TU Graz

(^ -.-^)


Wissensmanagement in KMUs?? Ein Interview

Vielen Dank Frau Professor Fink für Ihr aufschlussreiches DenkBloggAde-Interview!! :-))

Kerstin FINK

Frau Ao. Univ.-Prof. Dr. Kerstin Fink ist Leiterin des Instituts für Wirtschaftsinformatik , Produktionswirtschaft & Logistik an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck.

  • 60% aller Beschäftigten Österreichs arbeiten in Klein- und Mittelbetrieben
  • 95% des österreichischen Marktes sind von KMUs geprägt

Daher dürfen wir uns die Fragen stellen:

  • Wie können KMUs von Wissensmanagement profitieren?
  • Was sollte berücksichtigt werden?
  • Was kostet es?

Diesen Themenkreis erörtert Kerstin Fink hier im ...

Podcast 1 =>

MitarbeiterInnen denken offenbar manchmal noch an "Machtverlust", sobald sie ihr Wissen in IT-Systeme einpflegen sollen. Denn "Wissen ist Macht", so fühlen wir instinktiv - und das nicht zu Unrecht. Das Gefühl entsteht, austauschbar zu werden. Allerdings kann Wissen nicht wachsen, wenn es von jedermann nur gehortet wird ... Im Gegenteil: Es verliert sich im Laufe der Zeit.

Im zweiten Podcast befasst sich Kerstin Fink mit dem Zusammenhang von Unternehmenskultur und Wissensmanagement. Wie kann in Unternehmen Vertrauen entstehen?

Podcast 2 =>

*

Zu Aufgabenstellungen im Wissensmanagement schlägt auch Andreas Blumauer von der Semantic Web Company einige Lösungen vor: Suchen lernen vernetzen finden: Wie geht das künftig?

 

( * _g_ * )


Suchen lernen vernetzen finden: Wie geht das künftig?

Vor ein paar Tagen, auf der I-KNOW Conference, ergab sich die Gelegenheit, mit Andreas Blumauer zu sprechen. Und etwas theatralisch ausgedrückt darf man sagen: Die I-KNOW und der Blumauer - das ist die Kombination zweier wundervoll inspirierender Ereignisse!

Wir fragten also Andreas Blumauer, was das Semantic Web für uns tun kann. "Uns", das sind hier mittelständische und große Unternehmen in Österreich.

Andreas Blumauer erläutert seine Themen:
Suchen, lernen, vernetzen, finden und gefunden werden.

Im Gespräch wurden Fragen erörtert wie:

  • Was kann das Semantic Web?
  • Wie funktioniert es?
  • Oder praktisch gefragt: Wie kann ich im Verlauf meiner täglichen Arbeit in kleinen Portionen lernen, ohne permanent durch Unterbrechungen gestört zu werden?
  • Wie macht man Erfahrung oder Wissen, das im Lauf der Zeit entsteht, künftig strukturiert abrufbar?

Hören Sie den O-Ton. (Hin und wieder spricht jemand dazwischen; das bin ich.)

Es entstand eine kurze Management Summary (6 Min.)

Podcast =>

 

... und eine Long Version (Directors Cut ;-)) - (17 Min.)
Wobei hier schon ein wenig Vorwissen zum Semantic Web vorausgesetzt wird. Wir springen mitten ins Gespräch: Andreas erläutert gerade den Zusammenhang von Web2Null und Semantic Web:

Podcast =>

Ganz handlich definiert ist hier "Ontologie", ein Begriff, der im Interview mit Andreas Blumauer auftaucht:

"Eine Ontologie beschreibt den logischen Zusammenhalt von einzelnen Informationsbausteinen. Im Semantic Web werden diese Bausteine mehr oder weniger automatisch zusammengefügt."

( > * : * < )


Intelligente Suche 2.0

... siehe auch "Intelligente Suche - doch 1oo1 doofe Antworten?" und "Internet Trendkarte"

Die bekannten Suchmaschinen (Google und andere, die intern in Unternehmen eingesetzt werden) arbeiten nach dem Prinzip der Volltextsuche. Hierbei werden nur Dokumente, die den eingegebenen Suchbegriff enthalten, der Ergebnisliste hinzugefügt.

Doch geben Sie mal in die Suchmaschinen Vivísimo bzw. "Clusty" oder in SemaGer den Begriff "James Bond" ein. Jetzt finden Sie nicht nur Seiten mit "James Bond 007", sondern auch mit Ian Fleming, Bilder zu 007, Filmbesprechungen, Bond Cars, Bond Lifestyle, Vodka Rezepte, Casino Royale, Moonraker, Geheimagent, MI6, Pierce Brosnan ... also Dokumente, die den eigentlichen Suchbegriff nicht beinhalten, aber dennoch von Relevanz für das Thema sind.

MI6 Britische Geheimdienstzentrale in London

Eine spezielle Suchmaschine "beta 007" - wahrscheinlich auch intelligent: Dies ist die britische Geheimdienstzentrale MI6 in London. Das Bild wurde semantisch verknüpft mit dem Begriff "James Bond" gefunden.


Metadaten und die automatische
Informationskategorisierung


Was lange Zeit undenkbar war, ist heute möglich: Aus mehreren zehntausend Dokumenten können in wenigen Schritten und in wenigen Minuten genau jene Informationen gefiltert werden, die für Sie relevant sind. Durch eine Anreicherung der Dokumente mit Strukturinformationen wird eine quasi assoziative, kontextuelle Suche möglich.

Die Analyse von Dokumenten und eine damit verbundene Anreicherung mit zusätzlichen, dem Inhalt beschreibende Strukturinformationen - die Metadaten - war früher eine zeitraubende Angelegenheit von hunderten Archivaren. Jedes einzelne Dokument musste gelesen und durch treffende Schlagworte in bestimmte Kategoriesysteme eingeordnet werden. Angesichts heutiger Informationsmengen ist das schon allein kostenseitig nicht mehr realisierbar.

In der Generation 2.0 erledigt eine
Kategorisierungssoftware diese Aufgaben...


... automatisch - und präziser als ein Mensch, wie Studien des Fraunhofer Instituts belegten. Freilich muss die Software im ersten Schritt "geschult" werden, indem zu jeder gewählten Kategorie Beispieldokumente eingelesen werden. Danach ist die Kategorisierungssoftware blitzschnell in der Lage, ein Dokument mit der richtigen Relevanz der richtigen Kategorie zuzuordnen.


Und wie funktioniert das? Zu jedem Dokument generiert die Software zusätzliche, den Themenbereich beschreibende Strukturinformationen. Diese speichert sie zu den bereits bestehenden Metadaten, um eine spätere kontextuelle Suchfunktion zu ermöglichen. Für ein effizientes Wissensmanagement ist dieser vorbereitende Schritt - die automatische Verschlagwortung von Dokumenten - der entscheidende Faktor.

Semantische Suchmaschinen vertreiben ontoprise, ConWeaver (Fraunhofer Insitut), semanticBrowser, FactSpotter von XEROX und wie schon erwähnt Vivísimo. Und andere ...

(* ? °)

Produktiv streiten, bitte!

Haben Sie jemals versucht, eine Meinungsverschiedenheit per E-Mail auszudiskutieren? Insbesondere, wenn ein paar Kollegen betroffen sind und in Cc.. mitlesen? Kann haarig werden! Und ist (fast) immer vergeblich.

Schuld trägt das Medium. E-Mail ist für strittige Diskussionen völlig ungeeignet - und trotzdem passiert es: man arbeitet brav an einem Projekt, tauscht Mails aus - und auf einmal gibt es Beschuldigung und Krieg.

Wer jemals in Newsgroups eingeschreiben war, kann ein Lied davon singen. Hier sind, oft im Gegensatz zum Mailverkehr, die User anonym. Im Grunde seltsam: Man redet miteinander und kennt sich persönlich nicht. Hier finden manchmal die wildesten und unappetitlichsten Wortgefechte statt, schlimmer als "am Südbahnhof auf'd Nocht".

Für sensible Diskussionen gilt es also, das richtige Medium zu wählen. Die Faustregel besagt:

Je unmittelbarer die Disputanten miteinander reden, desto eher werden sie sich verstehen. Umgekehrt: Je weniger die Disputanten voneinander sehen oder wissen können (long distance media), desto unbefriedigender endet der Disput.

Mathias Maierhofer, unser Spezialist für Productivity-Themen und Kollaboratives Arbeiten, sagt in seinem Podcast Statement, das Medium zum Austausch muss Nähe erzeugen:

Podcast =>

Die Skala der streitkultur-geeichten Medien - vom schlechtesten zum besten gereiht - könnte so aussehen:

  • Telepathie  ;-))
  • SMS
  • Chat / Instant Messaging
  • E-Mail
  • Telefonat
  • Videotelefonat
  • Videokonferenz
  • formelle physische Sitzung
  • informelles persönliches Treffen
  • ...

(*_o*)


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