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Ergebnisse :: Studie zu unternehmensinternen Wikis in A

Kürzlich haben wir eine Online Erhebung durchgeführt, mit dem Ziel, die Anreize und Motivationsfaktoren zur Zusammenarbeit im Rahmen von unternehmensintern eingesetzten Wikis in Österreich zu ermitteln.

Die Ergebnisse, zusammengefasst

Damit ein Wiki innerhalb eines Unternehmens floriert, ist nicht nur die Unternehmenskultur des Teilens von Wissen ein Aspekt, der motivierend wirkt, sondern auch die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen sowie der Ansatz, den Mitarbeitern ausreichend Wachstumschancen (Karriere) einzuräumen.

Die Einstellung, Spezialwissen nicht nur zu versammeln, sondern auch anderen zugänglich zu machen, und damit auch die Erweiterung des eigenen Wissens (Feedback) sowie die Möglichkeit, anderen zu helfen, werden von den Führungskräften als am stärksten motivierend angesehen.

Spannend ist der Aspekt, daß kollegiale Beziehungswerte und immaterielle Aspekte als weitaus motivierender angesehen werden als materielle Anreize. Am untersten Ende rangieren die persönlichen Statuswerte. Nicht zusätzliche finanzielle Mittel, Titel, großes Büro oder dergleichen sind für die Partizipationsmotivation ausschlaggebend, sondern kulturelle Aspekte und individuelle Einstellungen von Mitarbeitern und Führungskräften. 

Will man also ein Wiki im Unternehmen erfolgreich vorantreiben, so ist die Vermittlung dieser Werte das Um und Auf. 

Sieht man sich die Motivationstypen im Detail an, so zeichnet sich ab, daß 36,7 Prozent durch den Faktor "Geldwerte Anreize" in ihrer Motivation erklärt werden, dieser Faktor allerdings nicht am höchsten motiviert. Am besten motiviert der Faktor "Wissen teilen und versammeln" mit seinen Items "Erweiterung des Wissens", "Spezialwissen an einem Ort", "aktuelle Infos ohne Freigabeprozesse online stellen", "Möglichkeit, anderen zu helfen" und "Steigerung der eigenen Leistung".

Details Details Details ...

65 Prozent der Befragten - das waren 179 Führungskräfte aus österreichischen KMUs und Großunternehmen - wußten, was ein Wiki ist und haben es bereits benutzt.

16 Prozent wußten nicht, was ein Wiki ist. 7 Prozent hatten schon "von Wikis gehört".

12 Prozent wußten, was ein Wiki ist, hatten es aber noch nicht benutzt.

36 Prozent der Unternehmen in Österreich verfügen über ein internes Wiki; 48 Prozent haben keines; und bei 16 Prozent ist die Einführung eines Wikis geplant.

Von jenen Studienteilnehmern, die ein Wiki im Unternehmen haben, sind 67 Prozent mit dem Wiki "zufrieden" bzw. "sehr zufrieden", nur 6 Prozent "kaum" oder "gar nicht zurieden". Die Beteiligung am firmeneigenene Wiki ist überdurchschnittlich gut: 74 Prozent!

Wenn Sie eine Summary der Studie erhalten möchten, so schreiben Sie mir bitte ein Mail:  werner.buhre -Klammeraffe- telekom.at.

(-_- )


Crowdsourcing ist für Liebende

Crowdsourcing ist das nächste Thema bei Digitalks am 6. Mai, zu dem neben Thomas Fundneider auch ich als "Co-Speaker" eingeladen bin: Hoch lebe die Gastgeberin Meral Hecke! :-))  Eigentlich möchte ich für diesen Abend nur meine Hausaufgaben machen, und die, so meine ich, kann ich ja gleich öffentlich erledigen.

Crowdsourcing - ein Wortungeheuer eigentlich, wurde geprägt von Jeff Howe, einem der Macher des WIRED Magazins. Dieser gewagt sinnreiche Neologismus wird nur noch vom deutschsprachigen Wikipedia getoppt, wo es bravtreu mit "Schwarmauslagerung" übersetzt ist. (Outsourcing ist ja bekanntlich die Auslagerung einer Produktion oder Dienstleistung an einen firmen-externen Spezialisten.)

Crowd

Crowdsourcing wendet sich an den Amateur

Aha, an den Amateur also. Wir denken an die lateinische Wortwurzel: "amare" heißt lieben, der "amator" ist der Liebende. Also der Nicht-Professionelle, und gelegentlich sogar der Dilettant. Nun, ganz so stimmt das nicht. Crowdsourcing, wenn es für die Forschung eingesetzt wird, wendet sich nämlich sehr wohl auch an professionelle Spezialisten - siehe z.B. Fellowforce (Science & Companies) oder InnoCentive Open Innovation (Science), wo auch die Rockefeller Foundation mit von der Partie ist. Doch in aller Regel wendet sich Crowdsourcing an den Amateur, an denjenigen, der ein bestimmtes Thema liebt, schätzt, als Hobby betreibt, als Inhalt seiner Freizeit sieht, als Inhalt seines privaten Lebens abseits des beruflichen Trottes.

Und das ist, glaube ich, wichtig zu verstehen. Crowdsourcing richtet sich an Amateure - die exzellent in ihrem Fach sein können - und als solche wollen sie verstanden und geschätzt werden.

Eine Community lässt sich nicht aufbauen oder errichten. Sie muss wachsen.

Crowdsourcing bedient sich einer möglichst großen und verstreuten Community, um sich deren Wissen, deren Innovationskraft, deren verschiedene Blickwinkel und deren Schwarmintelligenz für ein bestimmtes Thema nutzbar zu machen. Die berühmtesten Beispiele für Crowdsourcing sind Wikipedia (Wissen), Linux Software (InfoTech), Lego (Entertainment), Spreadshirt und Threadless (Marketing), Zazzle (Design), CrowdSpirit (Innovation), Marketocracy (Investment), Second Life (alles & nix). Dies demonstriert das Spektrum der möglichen Anwendungen recht eindrucksvoll. 

Also. In welchem Umfeld gedeihen Communitys am besten?

  • Stelle jene Tools bereit, die sich die Leute wünschen
  • Lege die Regeln fest
  • Vertraue, dass sie Gutes tun
  • Belohne gute Beiträge
  • Entferne schlechte Beiträge
  • Erwarte das Unerwartete

Übrigens, Crowdsourcing als kostengünstigen Weg zum Wohlstand einzusetzen funktioniert (leider) nicht. Communitys müssen kultiviert, respektiert und gemanagt werden, wenn sie wirtschaftlichen Wert erschaffen sollen.

(^ g ^)


Es geht um den Dialog

Die Vorträge und vor allem die Podiumsdiskussion auf der gestrigen CON.ECT-Veranstaltung haben das gezeigt. Peter Gloor hat in gewohnter Weise seinen Zuhörern die Augen und Ohren geöffnet: Online-Schwärme lassen sich abbilden und auch messen.

Paul hat das Thema Mass Customization wieder auf den Punkt gebracht! Das Thema hebt international gerade ab. Und wer Beispiele braucht sollte auf die Konfiguratoren-Datenbank schauen.

Spannend war Jörgs Vortrag zum Thema Dialogmarketing. Er hat vier Beispiele mitgebracht: Pfizer (Viagra Installation), HSBC (Interactive Shop Window), Motorola (Moto Playback) sowie Dove. Ich konnte nur letzteres im Netz auftreiben. 6,6+ Mio. Views sprechen für ihre Kampagne. Einfach genial!

 

Wenn das dann passiert, hat man als Unternehmen gewonnen:

 

Auch meinen gestrigen Vortrag möchte ich nicht vorenthalten.


Peter Gloor taucht in den Schwarm ein

Am 1. Februar hat schon Oliver einiges zu Coolhunting und Peter Gloor gepostet, und weil unsere Blog Software mal kurz eigenwillig und unverhofft kreativ hat war, können wir erst heute den Podcast dazu on air stellen.

 

Peter+Gloor
Peter A. Gloor, Ph.D. Research Scientist
MIT, Center for Collective Intelligence (CCI)
'
Die Fragen stellten Oliver und ich.
Peter Gloor stellt sich zu Beginn kurz selbst vor:
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Podcast =>

'

Kleine Thesenliste gewünscht? Nicht vollständig:

  • "Wir brauchen eine neue Art von Intelligenz - wir brauchen nicht nur Fachkompetenz oder IQ oder Emotionale Intelligenz oder die Fähigkeit auf den anderen einzugehen, sondern wir brauchen Kollektive Intelligenz." Dazu gibt es nun einen eigenen Forschungsbereich.
  • Schwärme haben sehr wohl Hierarchien! Schwärme sind nicht durch egalitäre Umgangsformen gekennzeichnet. Schwärme sind Meritokratien!
  • Die moderne Formel für Erfolg im Business: "Immerse yourself in the Swarm. "Altruism" sells the Brand".

( ~ g ~ )


Coolhunting - wie man die Zukunft voraussagt

... und auch wissenschaftlich belegt. Das haben wir kürzlich von Peter Gloor, Research Scientist am renommierten MIT, erfahren. Zum Vortrag eingeladen hatte Bettina Hainschink im Rahmen des CON.ECT Trendtalks.

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"Coolhunting" bezeichnet das professionelle Aufspüren, Identifizieren und Kommerzialisieren von kommenden Trends, vor allem Lifestyle-Trends," so das deutschsprachige Wikipedia. Der Fachterminus für Coolhunting ist "Soziale Netzwerk-Analyse." Die untersuchten Netzwerke werden auch Collaborative Innovation Networks genannt, kurz COINs.

"COINs, weil man in Amerika
lieber von Geld spricht als von Sünden."
(SINs = Social Innovation Networks)
Anders ausgedrückt: Man interpretiert Aktionen und Handlungen, die auf Schwarmintelligenz beruhen. Auf Basis einer ausgetüftelten Software werden sich wiederholende Muster erkannt und analysiert. Solche Datenerhebungen funktionieren besonders gut im Internet, denn

"Schwärme machen Sachen nicht fürs Geld
sondern weil sie überzeugt sind."

So zeigt das persönliche Netzwerk von Personen einerseits: Viele andere im Netzwerk = hoher Vernetzungsgrad. Und andererseits die "Betweenness", wie stark jemand zwischen (hoffentlich hochgradig) vernetzten Personen steht. Also, wer gut vernetzt ist, muss noch lange keine herausragende Bedeutung fürs Netzwerk haben.

Die Entwicklung von Aktienkursen voraussagen

Die Ergebnisse von Gloors Untersuchungen sind erstaunlich. So lassen sich bspw. kurz vor den Oskarnominierungen die Preisträger bereits ziemlich genau voraussagen, wie auch der "Run for Presidency" in den USA (unvorhersagbare Auftritte der Kandidaten einmal ausgenommen) oder sogar die Entwicklung von Aktienkursen. Diese Entdeckung hat Gloor gleich in ein Start-Up gegossen.

Vernetzte, offene und interaktive Unternehmen und Teams sind erfolgreicher

Weiters haben Gloors Studien gezeigt: Wer stark vernetzt ist, viel interagiert und andere teilhaben lässt, also sein Wissen wirklich teilt, ist erfolgreicher als andere. Das gilt für Unternehmen (man hat den Erfolg von Firmen prognostizieren können) gleichermaßen wie für Projektteams. Je kreativer und offener das Team, desto größer die Diskussion und desto erfolgreicher ist es.

Das spricht für den "Web 2.0-Gedanken", für Offenheit, Transparenz, Dialog und Interaktion. Hier werden wir noch viel lernen dürfen, um intelligent ein Teil des Schwarms zu sein.

Ein Podcast mit Peter Gloor wird hier auf der Denkbloggade in den nächsten Tagen online gestellt!


Wie überzeugen? Wie Neues einführen?

Ich bin geehrt, diesen wuchtigen Verstand, diesen weiten Horizont befragt haben zu dürfen. Diesen Innovationsaktivisten. Diese altersweise Humanbibliothek. Ja, diesen Schrank aus glasklarem Universalwissen. Gemeint ist Helmut Karner, den ich schon einmal in der Denkbloggade vorstellen durfte.

Helmut Karner war in seinen mittleren Jahren u.a. CEO von Austro Olivetti und auch General Manager von dem, was heute Nortel Networks ist. Ein Multikönner und Berater, der fundiert den gesellschaftlichen, den wirtschaftlichen und den Management-Entwicklungen nachspürt. Siehe NUTs und Föhrenbergkreis ...

Prof.+Helmut+Karner+copyright+Werner+Buhre
Prof. Helmut F. Karner


Karners Thesen zu Veränderung

  • Nicht Vervielfältigung in Medien (Multiplikatoren) erzeugt eine Veränderung in der Gesellschaft, sondern Communities (Friendly Actors)
  • Werbung wurde durch (echte bidirektionale) Öffentliche Beziehungen (PR) abgelöst
  • Überzeugung gelingt nicht über die linke Gehirnhälfte (Logik), sondern über Bildhaftigkeit und Story Telling
  • Schwarmintelligenz kommt durch zugelassene und geförderte Selbstorganisation zum fliegen.

Kommunikationsberater meinen, fünfzehn Minuten darf ein Podcast MAXIMAL dauern, sonst gehen die Zuhörer verloren. Ich bezweifle das: Nach wohl fünf Minuten sind die meisten weg. Naja, trotzdem habe ich's nicht übers Herz gebracht, Helmut Karner "ins Wort zu fahren" und wesentlich zu kürzen. Siebzehn Minuten Podcast habe ich hier - die sich lohnen. Bitte zurücklehnen:

Podcast => 

Übrigens erwähnt Karner in seinem Interview nicht nur Boris Nemsic und Don Tapscott, sondern auch  Peter Gloor, einen Schweizer, der für MIT tätig ist. Gloor hat über Schwarmintelligenz in Kombination mit neuen Organisationsformen gearbeitet. Er spricht von "Coins" (Collaborative Innovation Networks) und kommt als Vortragender am 31. Januar '08 in die Österreichische Kontrollbank (Veranstalter: future-network).

( ~ > ~ )


Trends im Wissensmanagement. 2007 bis 2011

Der BITKOM, der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. in Berlin, hat ein realistisches Positionspapier zu Wissensmanagement herausgegeben.

Dieser Verband ist ein Schwergewicht ? und leider existiert keine entsprechende Vereinigung in Österreich. BITKOM vertritt in Deutschland über tausend Unternehmen, davon 850 Direktmitglieder (Gerätehersteller, Anbieter von Software, IT- und TK-Dienstleister sowie Content Provider), die zusammen mit rund 700.000 Beschäftigten zirka 135 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften. Der BITKOM gibt Studien in Auftrag und betreibt Lobbying für bessere rechtliche Rahmenbedingungen, eine Modernisierung des Bildungssystems und eine innovationsorientierte Wirtschaftspolitik.

BITKOM

Ende November, anlässlich der KnowTech in Frankfurt/Main, gab der Interessensverband zehn Trendprognosen bis 2011 heraus. Ganz im Zeichen von Schwarmintelligenz arbeiteten an dem Papier immerhin 20 Herren, und denkwürdigerweise nur eine einzige Dame ! ? rekrutiert aus den Bereichen Universität, Unternehmen und Beratung.

Die Trends:

  • Transformation zum Unternehmen 2.0
  • Innovationsmanagement wird zur Standortfrage
  • Wissensmanagement unterstützt Antworten auf die Herausforderungen des demografischen Wandels
  • Wissensmanagement bringt Green Computing voran
  • Wissensmanagement leistet zunehmenden Beitrag zur Lösung globaler Probleme
  • Aktuell einsetzende Integration von Echtzeitkommunikation, Telefonie und Kollaboration wird Wissensarbeitsplätze nachhaltig verbessern
  • Service-orientierte Architekturen geben dem Wandel zur vorgangs- und aufgabenorientierten Arbeitsweise bei Wissensarbeit starke Impulse
  • Neue Suchtechniken erobern die Unternehmen
  • Lebenslanges Lernen findet zunehmend dezentral in sozialen Netzen und selbstorganisiert statt
  • Orientierungsrahmen für Wissensmanagement-Projekte erhöhen deren Zielorientierung und erleichtern ihren Erfolg.

Den für mich persönlich relevantesten Trend fasse ich hier kommentierend zusammen:

Transformation zum Unternehmen 2.0
Unternehmen, die Wikis, Blogs, Social Bookmarking, Social Netzworks oder Podcasts einsetzen, scheinen flexibler und innovativer zu sein, da ihr Informationsmanagement schneller agiert. Die Transformation zum Unternehmen 2.0 wird besonders bottom-up von Mitarbeitern vorangetrieben, die privat praktisches Know how mit Web 2.0 Lösungen erworben haben. Für diese Mitarbeiter ist eine offene, partizipative Unternehmenskultur sehr wichtig! Sie bewirken einen "Kulturwandel von unten", der ihre Motivation stärkt. Dies spielt auch zunehmend eine entscheidende Rolle bei der Auswahl eines Arbeitgebers.

Die Wissensarbeiter von morgen können in einer am Arbeitsprozess orientierten Weise auf gewünschte Daten und Informationen zugreifen. In der Regel müssen sie nicht mehr Daten aus verschiedensten Anwendungen selbst integrieren. Mit Mash-ups oder Content Aggregatoren kann eine leichtgewichtige (wenige Kilobytes) Integration von Anwendungen erfolgen, wobei sie miteinander funktional mittels Wiring (z.B. "Pipes" bei Yahoo) verdrahtet werden.

Technische Neuerungen wie AJAX, REST oder dojo erweitern die Möglichkeiten von webbasierten Unternehmensanwendungen enorm. In Verbindung mit serviceorientierten Architekturen (SOA), und auf der Basis von offenen Standards bieten sie neue Möglichkeiten für Prozesse und IT-gestützte Arbeitsplätze von Wissensarbeitern.

Seitens der zentralen IT-Funktionen werden die neuen virtuellen Anwendungen nur noch auf gröbere Rollenvorgaben zugeschnitten - die Feinarbeit kann von den Wissensarbeitern selbst übernommen werden. Dadurch entstehen "Ökosysteme von Services", die sich gegenseitig im Wert für die Prozesse des Unternehmens ergänzen. Trägersysteme für solche Mash-ups sind zentrale Portale, lokale, aber zentral gesteuerte Rich Clients oder spezielle Server.

(* : *)


Den Zufall ausrotten. Ist das sinnvoll? (II.)

Der quasi vortrags-stilistische Antipode zu Anja Flicker (siehe Denkbloggade Posting von heute) könnte der Portfolio Worker Helmut F. Karner sein. Sein Vortrag am Lehrgang Wissensmanagement rekrutierte sich aus einem Fundus von weit mehr als hundert Powerpointfolien, aus denen einige, je nach Interesse und Diskussionsentwicklung, herausgepickt wurden. Hier ging man nicht mikroverplant Schritt für Schritt vor, sondern in einem weiten, gedanklichen Bogen, der sich über einzelne Erzählspiralen gedreht spannte. Aus zueinander gefügten, offenen Räumen entwickelte sich ein Universum.

Machen wir es ähnlich, und stellen einen Teil des Karner'schen Thesen-Universums in Gulaschbrocken serviert vor:

  • Being in Corporate Life, besonders in Großunternehmen, widerspricht der menschlichen Natur
  • Wir wirtschaften anachronistisch: Alle gängigen Management-Paradigmen sind über hundert Jahre alt (Gary Hamel: The Future of Management)
  • Hierarchisch-funktional organisiert sein ist anachronistisch
  • Nur 28 Prozent aller Information ist als dokumentierte Information verfügbar (explizit) -- 72 Prozent sind "tacit" (implizit, also an einen Wissensträger gebunden, nicht dokumentiert oder nicht dokumentierbar)
  • Wissen ist instabil, d.h. es hat eine geringe Halbwertszeit. Daher sind Systeme instabil. Folglich gilt als Planungsparadigma Try & Error!
  • Selbstorganisation ist ebenso Paradigma
  • Komplexe Systeme in der Natur sind nicht steuerbar - analog dazu: bis in der Wirtschaft eine Regulierung schließlich greift, ist bereits ein Workaround geschaffen worden und die Situation eine neue
  • So sind SAP-Prozesse für ein Dauer von 12 bis 15 Jahren angelegt. Aber Prozesse verlieren nach 2 bis 3 Jahren ihre Gültigkeit! Daher ist die IT oft ein Verhinderer ...
  • Nobody can do it alone - daher ganze Gruppen bewerten, nicht Einzelne
  • Es geht nicht um Wissenstransfer, sondern um Wissensinduktion: Wissen, das schlummert, soll aktiviert werden
  • Und übrigens: Wissensmanagement als Beratungsmarkt ist in Österreich tot.

Als Best Practice empfiehlt Helmut Karner Story Telling, Yellow Pages, Knowledge Mapping (anhand regelrechter Wissenslandkarten), Wissen als "Flow", nicht als "Stock" behandeln sowie "Relevanz, nicht Vollständigkeit" anstreben.

Ich wäre ein Masochist, würde ich mir hier verkneifen, Wiki oder Folksonomie hinzuzufügen ...

Konnte ich Ihnen jetzt die Frage "Den Zufall ausrotten. Ist das sinnvoll?" irgendwie implizit beantworten?

c(^_>^)


Was ist Social Bookmarking? Einfacher geht's kaum

Manche glauben: Wenn ein Sachverhalt so richtig komplex dargestellt ist, dann erst kann er wahr sein. Lesen Sie einmal das Buch "Systemtheorie II: Interventionstheorie" des Soziologen Helmut Willke, dann wissen Sie was ich meine. Mag sein, dass Prof. Willke recht hat. Doch "die universelle Unendlichkeit der eng verwobenen Vielfalt weltlicher Erscheinungen und gegenseitiger Bedingungen" verringert sich in der Praxis rasch, wenn man herausfiltert, was WIRKLICH WICHTIG ist - und was nicht.

Ein Beispiel: Das Video 'Social Bookmarking in Plain English'. Hier wird gezeigt, was Soziale Lesezeichen können.  Ein ähnlich schönes Video ist: Was ist Wiki? Eine Fünf-Sterne-Erklärung

Hier sehen Sie "Social Bookmarking" mit deutschen Untertiteln.

Social Bookmarking in Plain English

Yeahhhhh!!  Besser als jede Master Thesis!! Viel Spaß!!!

(q _ p)


Was ist Wiki? - Eine Fünf-Sterne-Erklärung

Kürzlich begann an der Donau Universität Krems der Lehrgang für Wissensmanagement No 6.  Ich durfte (mit Unterstützung meiner lieben Firma) dabei sein, und sehr schön war's!! Wir sind in der Klasse nur 7 Leute - 2 Deutsche und 5 Austriaken -  alle mehr oder weniger aus verschiedenen Branchen, und nach der ersten Woche sieht es ganz so aus, als würden wir wie Pech & Schwefel zusammenhalten. Ja schön war's, sehr inspirierend, ein wahrer Informationsmarathon im Kopf, ausgezeichnete Vortragende mit ausgezeichneten Lehrinhalten. Viel diskutiert wurde ... viiiieeelll diskutiert!!

Buuuuhhh!!
 Gruppenkoordination per Mail ist megaout! Aber Wiki ist in.

Wikis in Plain English

Wikis in Plain English
und hier dasselbe Video mit deutschen Untertiteln.

Der Lehrgangsteilnehmer Maxim zum Beispiel ist ein echter Scout des Internets. Er hat für uns gleich ein ganzes Studiums-Wiki eingerichtet: auf Basis von Socialtext. Darin stellt er uns das obige Video vor: "Wikis in Plain English" - danke Maxim!

c(^ö^)


Suchen lernen vernetzen finden: Wie geht das künftig?

Vor ein paar Tagen, auf der I-KNOW Conference, ergab sich die Gelegenheit, mit Andreas Blumauer zu sprechen. Und etwas theatralisch ausgedrückt darf man sagen: Die I-KNOW und der Blumauer - das ist die Kombination zweier wundervoll inspirierender Ereignisse!

Wir fragten also Andreas Blumauer, was das Semantic Web für uns tun kann. "Uns", das sind hier mittelständische und große Unternehmen in Österreich.

Andreas Blumauer erläutert seine Themen:
Suchen, lernen, vernetzen, finden und gefunden werden.

Im Gespräch wurden Fragen erörtert wie:

  • Was kann das Semantic Web?
  • Wie funktioniert es?
  • Oder praktisch gefragt: Wie kann ich im Verlauf meiner täglichen Arbeit in kleinen Portionen lernen, ohne permanent durch Unterbrechungen gestört zu werden?
  • Wie macht man Erfahrung oder Wissen, das im Lauf der Zeit entsteht, künftig strukturiert abrufbar?

Hören Sie den O-Ton. (Hin und wieder spricht jemand dazwischen; das bin ich.)

Es entstand eine kurze Management Summary (6 Min.)

Podcast =>

 

... und eine Long Version (Directors Cut ;-)) - (17 Min.)
Wobei hier schon ein wenig Vorwissen zum Semantic Web vorausgesetzt wird. Wir springen mitten ins Gespräch: Andreas erläutert gerade den Zusammenhang von Web2Null und Semantic Web:

Podcast =>

Ganz handlich definiert ist hier "Ontologie", ein Begriff, der im Interview mit Andreas Blumauer auftaucht:

"Eine Ontologie beschreibt den logischen Zusammenhalt von einzelnen Informationsbausteinen. Im Semantic Web werden diese Bausteine mehr oder weniger automatisch zusammengefügt."

( > * : * < )


Intelligente Suche 2.0

... siehe auch "Intelligente Suche - doch 1oo1 doofe Antworten?" und "Internet Trendkarte"

Die bekannten Suchmaschinen (Google und andere, die intern in Unternehmen eingesetzt werden) arbeiten nach dem Prinzip der Volltextsuche. Hierbei werden nur Dokumente, die den eingegebenen Suchbegriff enthalten, der Ergebnisliste hinzugefügt.

Doch geben Sie mal in die Suchmaschinen Vivísimo bzw. "Clusty" oder in SemaGer den Begriff "James Bond" ein. Jetzt finden Sie nicht nur Seiten mit "James Bond 007", sondern auch mit Ian Fleming, Bilder zu 007, Filmbesprechungen, Bond Cars, Bond Lifestyle, Vodka Rezepte, Casino Royale, Moonraker, Geheimagent, MI6, Pierce Brosnan ... also Dokumente, die den eigentlichen Suchbegriff nicht beinhalten, aber dennoch von Relevanz für das Thema sind.

MI6 Britische Geheimdienstzentrale in London

Eine spezielle Suchmaschine "beta 007" - wahrscheinlich auch intelligent: Dies ist die britische Geheimdienstzentrale MI6 in London. Das Bild wurde semantisch verknüpft mit dem Begriff "James Bond" gefunden.


Metadaten und die automatische
Informationskategorisierung


Was lange Zeit undenkbar war, ist heute möglich: Aus mehreren zehntausend Dokumenten können in wenigen Schritten und in wenigen Minuten genau jene Informationen gefiltert werden, die für Sie relevant sind. Durch eine Anreicherung der Dokumente mit Strukturinformationen wird eine quasi assoziative, kontextuelle Suche möglich.

Die Analyse von Dokumenten und eine damit verbundene Anreicherung mit zusätzlichen, dem Inhalt beschreibende Strukturinformationen - die Metadaten - war früher eine zeitraubende Angelegenheit von hunderten Archivaren. Jedes einzelne Dokument musste gelesen und durch treffende Schlagworte in bestimmte Kategoriesysteme eingeordnet werden. Angesichts heutiger Informationsmengen ist das schon allein kostenseitig nicht mehr realisierbar.

In der Generation 2.0 erledigt eine
Kategorisierungssoftware diese Aufgaben...


... automatisch - und präziser als ein Mensch, wie Studien des Fraunhofer Instituts belegten. Freilich muss die Software im ersten Schritt "geschult" werden, indem zu jeder gewählten Kategorie Beispieldokumente eingelesen werden. Danach ist die Kategorisierungssoftware blitzschnell in der Lage, ein Dokument mit der richtigen Relevanz der richtigen Kategorie zuzuordnen.


Und wie funktioniert das? Zu jedem Dokument generiert die Software zusätzliche, den Themenbereich beschreibende Strukturinformationen. Diese speichert sie zu den bereits bestehenden Metadaten, um eine spätere kontextuelle Suchfunktion zu ermöglichen. Für ein effizientes Wissensmanagement ist dieser vorbereitende Schritt - die automatische Verschlagwortung von Dokumenten - der entscheidende Faktor.

Semantische Suchmaschinen vertreiben ontoprise, ConWeaver (Fraunhofer Insitut), semanticBrowser, FactSpotter von XEROX und wie schon erwähnt Vivísimo. Und andere ...

(* ? °)

Wiki einführen. Wie wir es sehen

Nach anfänglichem Zögern führen wir nun Wiki ein - intern zugänglich für die gesamte Telekom Austria Belegschaft. Gedacht als Ergänzung zu unserem Intranet. Welche Wiki-Software wir einsetzen möchten, ist noch nicht definiert - geliebäugelt wird mit einer angepassten Version von MediaWiki. Diese Wahl hätte u.a. auch den Vorteil, später durch Semantic MediaWiki erweitert werden zu können, um eine ausgefeilte, maschinenlesbare Suche zu ermöglichen.

Das anfängliche Zögern ist verständlich, denn schließlich geht mit der Einführung eines Wikis auch ein leichter Verlust von Kontrolle einher, der allerdings mehr als kompensiert wird durch das Freilegen von schlummernder kollektiver Intelligenz. Unser Wiki wird - im Gegensatz zu Wikipedia - nicht anonym sein, und daher wird es erfahrungsgemäß auch keinen Vandalismus oder Flaming geben.

Was wir bei der Einführung beachten wollen, ist:

  • Besonders in der Anfangsphase das Wiki mit viel Einsatz moderieren, bis kulturelle Normen und kollegiale Selbstkontrolle entwickelt sind
  • Besonders in der Anfangsphase durch definierte Akteure viel Input beisteuern, damit das Wiki eine gewisse "Schwungmasse" gewinnt
  • Vor der Implementierung sich über akzeptable Risken klar sein, wie z.B. eine anfänglich durchschnittliche Qualität der Beiträge, die erst allmählich gesteigert werden kann
  • diese Risken vorausahnen, versuchen, sie zu mindern, aber nicht völlig zu eliminieren (denn das hieße das Wiki knebeln, so dass niemand mehr unabhängig Beiträge selbst erstellen könnte)
  • durchgetextete Artikel einfordern, keine Attachment- oder Linkwüsten zuzulassen
  • einen demokratischen Prozess fördern, der entscheidet, welche Wiki-Funktionalitäten zum Einsatz kommen, damit die Nutzer sich in der Anwendung wohl fühlen und gestärkt, sich das Tool persönlich anzueignen
  • Bestehende vestreute, nicht gut auffindbare Informationsquellen ins Wiki zu migrieren, um eine primäre Plattform für unternehmensrelevantes Wissen "für alle" zu generieren.

Ist Ihnen Wikimatrix bekannt? Hier können Sie fast einhundert verschiedene Wikis in Bezug auf ihre Funktionen miteinander vergleichen. Einhundert, das ist eine ganze Menge, und doch fehlen wichtige Anbieter mit brauchbaren (kostenpflichtigen) Lösungen wie CustomerVision, GroveSite, MindTouch oder System One, ein österreichischer Anbieter. Es fehlen auch IBM, Microsoft, Sun und viele andere, die in ihre Suiten einige Wiki-Funktionalitäten integriert haben.

Übrigens hat das Marktforschungshaus Gartner "Social Software", wie z.B. eben Wiki, als eine von zehn Zukunftstechnologien definiert, die in den nächsten fünf Jahren gewaltige ("disruptive") Auswirkungen auf die IT-Welt und anderswo haben werden. Ich lass' mich überraschen ...

(*_>°)


Intelligente Suche - doch 1oo1 doofe Antworten?

Sie wünschen sich ein Web, das Fragen beantworten kann, wie zum Beispiel:

"Wo finde ich in XY ein Café, das um 21 Uhr geöffnet ist, Nusstorten anbietet und einen Billardtisch hat?"

Sich wünschen sich eine Suchmaschine, die Inhalte von Webseiten "versteht" und logisch miteinander verknüpfen kann?

Dann wollen Sie ein Web mit intelligent verbundenen Daten. Dann wollen Sie das Semantische Web - und es wird kommen! Versprochen.

Einen Vorgeschmack davon bietet das Portal www.reegle.info des grünen  Konsortiums REEEP, das sich für erneuerbare Energien und deren effiziente Nutzung einsetzt.

Die Suche dort zeigt semantische Beziehungen zur Suchanfrage als Netz, anhand dessen die Suche weiter verfeinert werden kann. Das Stichwort "industrial plant" wird auf Level 1 der Vernetzung so angezeigt:

reegle: industrial plant

Auf Level 2 - dichtere Vernetzung - so (klick!):

Und auf Level 5 - höchste Vernetzung - schließlich so (klick!):

Man sieht, mit welchen Begriffen "industrial plant" semantisch verknüpft wurde, also sinnverwandt ist oder eine logische Beziehung eingeht. Doch nicht genug: Auf reegle.info findet sich auch eine Suche nach Kategorien sowie nach Energie-Akteuren wie Industriepartner oder Universitäten. Kurzum, hier wird dem Suchenden die Lupe eines Experten in die Hand gegeben, denn über diese Funktionen werden die richtigen Suchbegriffe auf Klick zusammengeführt. Tolle semantische Search Engine!

Doch sie sucht nur zu Themen der Energieförderung. Nur in diesem schmalen Sektor der Wirtschaft gelang es, anhand von Experteninterviews genügend Informationen aus heterogenen und verteilten Datenquellen in einer einheitlichen Suchmaschine zusamenzuführen.

Freilich ist das erst der Anfang. In einigen Jahren werden wir auf die online gestellte Frage:

"Was kostet der Bau eines 200 Quadratmeter großen Niedrigenergiehauses mit Indoor-Pool und Garage in Grammatneusiedel?"

eine sinnvolle Antwort erwarten dürfen. Wir genehmigen uns ein Achterl Vorfreude gespritzt - und die Wirtschaft reibt sich auch schon die Hände!

(*!°)


Koordination in Hanoi: nichts für Egomanen

Hätten Sie ein gewisses Gefühl der Unsicherheit, wenn Sie zur Rushhour über diese Kreuzung in Hanoi [icon] mit Ihrem Moped fahren würden??

"Eine solche Unsicherheit liegt in der Eigenart aller Koordinationsprobleme begründet", meint dazu James Surowiecki, Autor von Die Weisheit der Vielen. Denn Koordinationsauf- gaben eindeutig zu lösen sei eben enorm schwierig. Es würde wahrlich einen Triumph bedeuten, zum Thema Koordination eine unstrittige Lösung präsentieren zu können -- ganz anders als bei der Ermittlung des Schlachtgewichts eines Ochsen, das sich genau beziffern lässt.

Doch Verkehrskoordination - zumindest in diesem asiatischen Kulturkreis - kommt auch ohne Ampeln aus, ohne verbindliche Regelung. ohne ordnenden Zwang. Beim Militär wird das anders gesehen. Dennoch erfordern Koordinationsaufaben oft Lösungen, die von unten, von der Basis her entwickelt wurden. Dabei kann es keine Garantie geben, dass Gruppen mit durchwegs intelligenten Lösungen aufwarten - doch es gelingt ihnen oft. Hier kommt offensichtlich Schwarmintelligenz zum Tragen, die im Menschen, dem grundsätzlich sozialen Wesen, rasch entwickelt ist.

Rushhour in Hanoi, Vietnam

 

So diskutabel auch einzelne Lösungen zu Koordinationsaufgaben - also insbesondere auch Managementaufgaben in Unternehmen - sein mögen, eines läßt sich aber glaube ich eindeutig festhalten: Bei Koordinationsproblemen sind Entscheidungen, die die Meinung der anderen außer Acht lassen - schlicht sinnlos. Es reicht nicht, dass ein Einzelner die Lösung für sich sucht und sie für richtig hält. Er muss berücksichtigen, was andere für richtig halten. 

Mit dieser Einstellung könnten Sie getrost die Kreuzungen Hanois überqueren, und im allgemeinen Gehupe die Schönheit von koordinierender Schwarmintelligenz genießen. Oder?

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Wann kann kollektive Intelligenz entstehen?

... hier lesen Sie Teil 3 der Serie "Motorrrr des Web2Null" und "Der Ochse. Ein Lehrstück zur Schwarmintelligenz".

 

Für gewöhnlich bedeutet Durchschnitt ja eines: Mittelmaß. Gibt man dagegen hundert oder tausend Menschen die Aufgabe, ein Problem zu lösen, so wird die durchschnittliche Antwort beziehungsweise Lösung des Problems oft mindestens so gut sein, wie die Antwort des klügsten Gruppenmitglieds. Das hat eine enorme Bedeutung für die Mitarbeiter eines Unternehmens und deren Fähigkeit, immer neue Herausforderungen zu meistern. Das ist die Basis dessen, warum Wikis und andere User-generated-Content Tools überhaupt funktionieren.

Zehn Voraussetzungen
Unter welchen Bedingungen also kann und wird Gruppenintelligenz funktionieren und entwickelt?? Unter welchen Bedingungen ist es möglich, unsere individuell unvollkommenen Urteile auf die nützlichste Art und Weise zu vereinigen?

Damit eine Gruppe effektiv Intelligenz entwickeln kann, sind folgende zehn Faktoren ausschlaggebend, ja unabdingbar:

  • Es bedarf der Meinungsvielfalt einer möglichst großen, heterogenen Gruppe
  • Die Gruppe muss dezentralisiert sein
  • Jeder Einzelne ist unabhängig und ist keinen Gruppeninteressen verpflichtet
  • Die einzelne Stimme zählt etwas
  • Meinungen/Urteile werden mit Bedacht, nicht aus einer puren Laune heraus spontan abgegeben
  • Freiwillige Meinungsabgabe, die sanktionsfrei (oder geheim) ist
  • Es wurde zuvor kein abgestimmter Konsens oder Kompromiss in Kleingruppen entwickelt
  • Das Individuum muss zu dem Sachverhalt irgendwelche eigenen Informationen haben.

 

Unter diesen Voraussetzungen werden die Entscheidungen einer Gruppe denen eines Individuums mit der Zeit geistig überlegen sein, zutreffender und genauer -- ganz gleich, wie intelligent oder gut informiert der beste Experte zu einem Themenkreis ist.

Und wie steht es um die singulär erbrachten Leistungen der Herren Leonardo da Vinci, Johann Sebastian Bach oder Albert Einstein und anderer?

Das waren und bleiben Jahrhundertgenies. Rare Ausnahmeerscheinungen. Sozusagen die Bestätigung der Regel. So wie auch Inselbegabungen (von Savants) nur in vagen Vermutungen erklärt werden, so weiß man bis heute nicht, warum einzelne Genies der Menschheit immer wieder mal um einen Quantensprung voraus sind. Zum Beispiel Rüdiger Gamm ...

(*!°)

Der Ochse. Ein Lehrstück zur Schwarmintelligenz

... hier lesen Sie Teil 2 des Beitrags "Motor des Web 2.0"


Es ist 1906, Westengland. Auf der alljährlichen Messe für Mastvieh und Geflügel (der West of England Fat Stock and Poultry Exhibition in der Nähe von Plymouth) steht ein massiger Ochse. Er wird diese Schau leider nicht überleben, denn auf ihn werden bereits Wetten gesetzt. Derjenige, der das Schlachtgewicht dieses Hornviehs - also nachdem es bereits ausgeweidet ist - am genauesten schätzt, der wird einen Preis gewinnen.

Für ein Sixpencestück können sich die Messebesucher eine nummerierte Karte kaufen, auf der Name und das Schätzgewicht einzutragen sind. Rund 800 Leute versuchen ihr Glück.

Ins Schwarze treffen
Es ist eine bunt zusammengewürfelte Melange an Menschen - darunter viele Fleischhauer und Bauern, die sicherlich Erfahrungen zu Viehgewichten gesammelt haben. Aber es beteiligen sich auch viele schaulustige Laien, die sich einen Gewinn erhoffen und über kein Insiderwissen verfügen - Büroangestellte usw.

 

Murnauer Ochse (Foto: Zuchtverband Weilheim)

 

 

Der damals 85-jährige Naturforscher Sir Francis Galton, der die Viehmesse besucht hatte, borgte sich nach der Auszählung und Preisverleihung von den Veranstaltern die Wettkarten. Um die Dummheit der breiten Masse statistisch zu belegen, von der er - Kind seiner Zeit - zutiefst überzeugt war, entschloss sich Galton zu folgendem spontanen Experiment. Er ermittelte von den genau 787 Schätzungen den Durchschnitt - also die Summe aller Gewichtsschätzungen geteilt durch die Anzahl der Spieler. Nun, Sir Galton war von dem Ergebnis, in britischem Understatement gesprochen, verblüfft!

Später berichtete er darüber in der Wissenschaftszeitschrift Nature. Das durchschnittliche geschätzte Gewicht - also die Meinungen einiger extrem kundiger Fachleute, etlicher mittelmäßiger und einem Haufen ungebildeter Individuen - ergab 1.197 britische Pfund. Das tatsächliche Schlachtgewicht betrug nur ein Pfund mehr: 1.198. Die beste Einzelschätzung lag davon weit entfernt. Die Masse hatte also fast ins Schwarze getroffen.

Vox Populi
Das war wohl die Geburtsstunde des wissenschaftlichen Nachweises von kollektiver Intelligenz. Galton nannte es Vox Populi, die Stimme des Volkes, und stellte das Phänomen analog zum Wahlrecht in demokratischen Gesellschaften.

Kollektive Intelligenz kommt heute zum Tragen in den Gebieten der Wirtschaft (siehe Aktienkurse), Forschung (siehe OpenSource Software), Gesellschaft, Politik, Verkehr, Familie und im Alltag - sei es wissentlich oder unwissentlich. Insbesondere natürlich bei Wikis, bei Blogs, bei Tagging, bei Folksonomien usw.

*

Im nächsten Blogeintrag, so in zwei drei Tagen, versuchen wir die Voraussetzungen zu beleuchten, unter denen kollektive Intelligenz entstehen kann.

(*!°)


Motor des Web 2.0

Hin und wieder fröstelt es mich bei Aussagen wie: "Was genau das Web-Zwo-Null ist, das weiß niemand exakt." -- Oder: "Schon das alte Internetz basierte auf Verknüpfung -- nur können heute auch 'die Jungen' ihren coolen Content selbst reinstellen." -- Da kommen wir der Sache schon etwas näher. Doch Vorsicht: Ich zum Beispiel gebe Content ein, zähle statistisch bereits zu den Best Agers und werfe errötend Post weg, die da trällert: "Erleben Sie Nordic Walking im Kreise von jung Gebliebenen." - (So was hab' ich bitte (noch) nicht verdient! Ich lege mir ja auch keine den Teint optimierenden Gurkenscheiben ins Gesicht! ;-))

Aber wagen wir hier eine grundlegende Definition:

"Web 2.0 verheißt im Kern:
Partizipation aller ohne Rollenautorität."

Soll heißen, alle, die tippen können und über einen Netzanschluss verfügen, können teilnehmen. In jeder Form und in jeder Rolle: Als Leser, Produzent, Käufer, Verkäufer, Spieler, Gangster usw. Die Ownership über Prozesse und Lösungen liegt im Web 2.0 nicht mehr beim Einzelnen. Damit kehrt Web 2.0 grundlegend Machtverhältnisse um. Die Produktionsmittel für Kommunikation, für Wissensverbreitung und für Medieninhalte liegen nicht mehr allein in den Händen der "Besitzenden", sondern bei fast allen.

Bitte richtig verstehen: Mich interessieren hier nicht Marx, Marcuse & Co. Ich definiere nur Web 2.0 nicht anhand derzeit eingesetzter Technologien wie Blog, Wiki, RSS-Feed, Mashup, Tagging, Folksonomie oder gar Semantic Web, in dem nicht mehr Dokumente, sondern Daten verlinkt sind.

Nicht Technologie sondern Kultur
Was sagt denn Gartner?? Technologie sei typischerweise ein "Enabler", ein Ermöglicher -  NICHT ein "Key Driver", ein Motor. (Gartner stellt dies fest im Zusammenhang mit der Steigerung von Performance am Arbeitsplatz.)

Was also ist der Motor von Web 2.0, wenn nicht die Technologien?

Ich will etwas vorsichtig sein: Einer (!) der Motoren des Web 2.0 ist Schwarmintelligenz. Kollektive Intelligenz. In seinem Buch "Die Weisheit der Vielen" beschreibt der amerikanische Publizist James Surowiecki, wie 1906 zum ersten Mal das Phänomen der kollektiven Intelligenz dingfest gemacht wurde.

Mehr darüber in meinem nächsten Beitrag in zwei drei Tagen ...

(*!°) 


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